Über den gesamten Erdball verteilen sich vielfältige Hinweise, die darauf schließen lassen, dass die verschiedenen Völker unserer Erde selbstständig und unabhängig voneinander den Brauch des Tätowierens etablierten. 7000 Jahre alte Mumien aus Chile oder die 5000 Jahre alte Gletscher-Mumie Ötzi beweisen durch Tätowierungen an Händen und Füssen, dass es fast seit Anbeginn des modernen Menschen Sitte ist, sich mit Nadeln oder durch kleine Einschnitte Zeichen unter die Haut zu bringen.
Schon die Skythen aus der Eiszeit, ein russisches Reitervolk aus der Steppe und des Kaukasus, sowie die aus dem Altai (mittelasiatisches Hochgebirge) stammende Pazyryk-Kultur sind für besonders aufwendige und großflächige Tätowierungen bekannt.
Die Sitte des Tätowierens hat sich demnach nicht von Südwestasien aus entwickelt, von wo sie sich über Ägypten, Polynesien und Australien bis schließlich nach Nord- und Südamerika ausgebreitet haben soll. Tätowierungen sind aufgrund ihrer rituellen Bedeutung vor allem in Mikronesien, Polynesien sowie bei vielen indigenen Bevölkerungen weltweit, sowie bei den Ainu und den Yakuza aus Japan, stark verbreitet.
Wahrscheinlich wegen der Verbindung zum Atargatis-Kult werden im Alten Testament Tätowierungen verboten. „Und einen Einschnitt wegen eines Toten sollt ihr an eurem Fleisch nicht machen; und geätzte Schrift sollt ihr an euch nicht machen. Ich bin der Herr.“ (3. Moses 19, 28). Trotzdem waren auch schon bei einigen frühchristlichen Sekten Tätowierungen üblich. Ebenfalls tätowiert waren wohl die Carni, ein in den österreichischen Alpen beheimateter Keltenstamm sowie die Thraker, ein indogermanisches Volk der Antike. Das Volk der Pikten (lat. „Die Bemalten“) soll sich laut Caesar zwar nicht tätowiert, aber von Kopf bis Fuss bemalt haben.
Das Wort „Tattoo“ stammt von „tatau“, einem tahitianischen Wort, das sich als lautmalerische Bezeichnung für das Geräusch, das beim Tätowieren entsteht, entwickelt hat. Mit einem Tätowierkamm, einer Art kleinem Hammer, wurde die Farbe über eine Nadel aus feinem Knochen in die Haut eingebracht.
James Cook brachte das Wort mit nach England. In seinem Tagebuch schrieb er das Wort „tattow“, das sich im Zuge der britischen Seefahrt im 18. Jahrhundert in die ganze Welt verbreitete.
Über viele Jahre hinweg als „normales“ Wort gebräuchlich, erhielt das Wort einen negativen Beigeschmack, als die britische Regierung im Jahre 1879 das Tätowieren zur Identifizierung Krimineller genutzt hat. Daraufhin hat sich in der westlichen Welt die Meinung etabliert, dass nur Verbrecher tätowiert seien.
Die Anfänge der japanischen Tätowierkunst liegen wahrscheinlich bei den Ainu, die zu Beginn der Edo-Zeit lebten und bei denen Tätowierungen besonders bei Prostituierten und Arbeitern verbreitet waren. Wie es auch die Briten taten, wurden auch in Japan Kriminelle mit Tätowierungen versehen, die somit gebrandmarkt waren. „Anständige“ Japaner ließen sich fortan nicht mehr tätowieren. Dies führte zur Bildung einer neuen Schicht, da sich jene Gezeichneten nun nicht mehr in die Gesellschaft eingliedern konnten. Die Yakuza-Kultur war entstanden. Zwar wurde dieses Verfahren von der Meijiregierung 1870 abgeschafft, allerdings waren Tätowierungen von nun an komplett verboten. Erst 1948 wurde dieses Verbot aufgehoben.
Japanische Tätowierungen sind besonders reich an mythologischen Motiven, obgleich der Stil sehr einheitlich ist. Drachen und Dämonen sind dabei wohl die häufigsten Motive. Aus Sagen entnommen, erzählen sie bisweilen ganze Geschichten.
Weitere beliebte Symbole sind Kirschblüten und Kois. Während Kirschblüten für Schönheit, Freude aber auch Vergänglichkeit stehen, geht mit dem Koi Erfolg, Stärke und Glück einher. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich ein Stil, der in Folge populär gewordener Gruselgeschichten abgehackte Köpfe thematisiert.
Anders als in westlichen Kulturen ist es in Japan Sitte, sich sein ganzes Leben lang von nur einem einzigen Tätowierer tätowieren zu lassen. Dabei entstehen oft großflächige Gesamtkunstwerke auf dem ganzen Körper, die zum Schluss vom Künstler selbst signiert werden.
In Japan ist heute noch die Annahme relativ weit verbreitet, dass Tätowierungen für die Verbindung ins kriminelle Milieu stehen.. Immer noch als wichtiger Bestandteil der Yakuza-Kultur gesehen, sind Tätowierungen in Japan stark stigmatisiert, vor allem jene, die als „Bodysuit“ bezeichnet werden und den ganzen Körper einnehmen. Diese Stigmatisierung führt in manchen öffentlichen Bädern dazu, dass Tätowierten der Eintritt verwehrt wird.
Langsam zeichnet sich aber auch in Japan eine Tendenz ab die erkennen lässt, dass sich das Gesellschaftsbild über Tätowierungen geändert hat. Vor allem junge Menschen haben dazu beigetragen, dass sich Tätowierungen von ihrer negativen Behaftung lösen konnten.
Weltbekannte Tätowierer kommen mittlerweile auch aus Japan, wie zum Beispiel Horiyoshi III, der sein Können an seine Schüler weitergibt. Entgegen dieses Trends, entwickelt sich bei Gangmitgliedern der Rückgang von Tätowierungen, da sie keine unnötige Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollen.
So ist die Verbindung zwischen Kriminalität und Tätowierungen nur noch eine verschwommene, die sich immer weiter lösen wird. In westlichen Kulturen erfreuen sich Tätowierungen im japanischen Stil seit einiger Zeit immer größer werdender Beliebtheit.